SIND SIE SCHON EINMAL IN SÜDMÄHREN GERADELT?

Man kann mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass viele diese Frage mit Nein beantworten werden. Andere werden sich fragen, wo dieses Gebiet auf der Landkarte zu finden ist. Grund genug, sich in das Gebiet südlich der tschechischen Stadt Brünn und dann in die Grenzregion zwischen Tschechien und Österreich zu begeben. Eine wunderschöne Hügellandschaft liegt dort einladend für jeden Radfahrer bereit. Wir haben den Test gemacht und berichten von einigen Fahrten, die wir dort in der Region gemacht haben. Wir können schon jetzt sagen, dass es nach mehr schmeckt.

Ein Stück Geschichte

Die heutige Tschechische Republik ist noch ein junges Land. Seine Verfassungsgeschichte ist recht komplex. Einige wichtige Punkte: Nachdem die Gebiete bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zu Österreich-Ungarn gehörten, schlossen sich die Tschechen und Slowaken zusammen und gründeten 1918 die unabhängige Republik Tschechoslowakei. Während des Zweiten Weltkriegs wurden große Gebiete von den Deutschen annektiert und der Rest wurde besetzt. Nach dem Krieg wurden die vielen Deutschen aus dem Gebiet vertrieben und das Land wurde zunehmend Teil des Ostblocks. Im Jahr 1948 kam es zu einem kommunistischen Putsch und es wurde eine kommunistische Diktatur errichtet. Die so genannte Samtene Revolution im Jahr 1989 beendete die autokratische Herrschaft der kommunistischen Partei und stellte die Demokratie wieder her. Am 1. Januar 1993 löste sich die Tschechische Republik von der inzwischen aufgelösten Tschechoslowakei und trat 1999 der NATO und am 1. Mai 2004 der Europäischen Union bei. Vor allem die jungen Tschechen blicken nicht mehr so sehr zurück und arbeiten hart daran, ihrem Land einen Platz in Europa zu verschaffen. Lukas, einer dieser jungen Tschechen und Organisator von Radtouren, zeigte uns einen Teil seines Landes.

Die Umgebung von Lednice und Valtice

Vom Flughafen in Prag aus gelangen wir nach einer langen Autofahrt in die Region Südmähren. Von Lednice aus beginnen wir mit der Erkundung einer Gegend, die 1996 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde. Diese Auszeichnung hat zwei Gründe. Erstens der landschaftliche Aspekt und zweitens die immensen Bauwerke in Form von Denkmälern, Triumphbögen, Skulpturen usw., die wir hier finden. Viele Jahre lang war das Gebiet im Besitz der Fürsten von Liechtenstein (dem Ministaat zwischen Österreich und der Schweiz), die hier ihre Spuren hinterlassen haben! Sehen Sie sich die Schlösser von Lednice und Valtice an, deren Bauweise sich hauptsächlich an den Strukturen des nicht weit entfernten Wiens orientiert. Am Fuße des Schlosses von Valtice können Sie alle in der mährischen Region angebauten Weine probieren. Am Eingang bekommt man ein Glas in die Hand gedrückt, und aus den fertig entkorkten Flaschen kann man unbegrenzt probieren.

Am höchsten Punkt des Gebiets, an der tschechisch-österreichischen Grenze westlich von Valtice, steht eine riesige Kolonnade: die so genannte “Kolonade na Rajstne” nach dem Vorbild von Schönbrunn in Wien. Der Aufstieg mit dem Fahrrad ist zwar steil, aber er lohnt sich. Fürst Johann der Erste ließ sie zwischen 1810 und 1817 zu Ehren seines Vaters und Bruders errichten. Wenn man wieder nach Valtice hinunterfährt, kommt man auf einem Radweg in den östlichen Wäldern an einigen bemerkenswerten Bauwerken vorbei. Hier liess Johann der Erste zwischen 1810 und 1812 einen Triumphbogen errichten, der heute als “Rendez-Vous” oder Diana-Tempel (Göttin der Jagd) bekannt ist. Hier empfing der Liechtensteiner Fürst seine Jagdgefährten. Der Bogen wurde im römischen Stil errichtet. Es ist zu viel, sie alle zu erwähnen, aber halten Sie ein wenig weiter bei den “Chrám Tri Gracii” (den drei Grazien). Auf nur wenigen Kilometern gibt es eine Menge zu sehen! Und zu allem Überfluss ist die Weinlese in vollem Gange. Karrenweise kommen die Trauben aus den Weinbergen.

Die Umgebung von Pavlov und Mikulov

Die Beschilderung der Fahrradroute 5043 (die Fahrradbeschilderung ist exquisit) führt uns von Lednice über Bulhary in die Weinregion um das Dorf Pavlov. Um einen herrlichen Blick auf die Region zu bekommen, muss man vom See aus aufsteigen! Oben angekommen, lohnt sich die Anstrengung gleich doppelt. Es ist ein Kommen und Gehen von Radfahrern hier!

Im Dorf fordern Schilder mit der Aufschrift “Bursak” die Radfahrer zum Anhalten auf. Bursak ist der erste Wein der neuen Saison. Er enthält kaum Alkohol, aber er sprudelt und schmeckt wie Champagner. Ein Getränk der Götter, das in Eineinhalb-Liter-Plastikflaschen für Limonade und Cola verkauft wird. Nehmen Sie ab und zu den Deckel ab, sonst platzt die Flasche! Entlang des wunderschön benannten Sees Vodní dílo Nové Mlýny geht es vorbei an Dörfern mit unaussprechlichen Namen, Novy Preròv und dem “Greenway Praha-Wien” (Radfernweg) nach Mikulov. Der Straßenbelag auf dem Teil der Strecke, den wir fahren, ist nicht sehr gut. Das gilt im Übrigen für alle Strecken, die wir gefahren sind. Ein Mountainbike, ein Schotterfahrrad oder etwas Ähnliches ist das naheliegendste Transportmittel! Mikulov ist ein reizvoller Ort zum Übernachten. Nach dem Abzug der Russen wurde das Zentrum restauriert, poliert, gestrichen und so weiter. Auf jeden Fall einen Besuch wert!

Podyji-Nationalpark

Nachdem wir nach Znojmo gefahren sind, besuchen wir diesen Nationalpark, durch den übrigens auch die “Greenway Praha-Wien”-Route verläuft. Bei Čížov radeln wir entlang des einzigen erhaltenen Teils des ehemaligen Eisernen Vorhangs in der Tschechischen Republik. Kurz gesagt: beeindruckend. Im Park gibt es atemberaubende Ausblicke in die tiefen Täler und mehrmals “balancieren wir auf der Kante”. Es ist schön, sich plötzlich vor einem Weinstand wiederzufinden, wo man für ein paar Kronen die Freuden des Lebens genießen kann. Der Ort ist voll mit Radfahrern, also halten auch wir eine Weile an! Von hier aus fahren wir parallel zur österreichischen Grenze zu unserem Endziel Šatov. Nach drei Tagen Radfahren haben wir uns in Südmähren oder Jižní Morava, wie die Tschechen sagen, verliebt.

Text and photos: Teus Korporaal

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