Ist Lentel Huys die Nachfolgerin von Sanne Cant?

Wir sind uns nur allzu bewusst, dass wir mit der obigen Überschrift einen enormen Druck auf ein junges Talent ausüben, das gerade erst am Anfang seiner Karriere steht. Wir wissen auch, wie viele junge Radrennfahrer am Status des „neuen Eddy Merckx“ gescheitert sind … Und so wie Belgien in den vergangenen 50 Jahren auf der Suche nach dem neuen Merckx war, suchen wir nun nach der neuen Sanne Cant.

Diese letzte Mission wird jedoch um einiges einfacher sein als die Suche nach einem Ebenbild des größten Radrennfahrers aller Zeiten in diesem kleinen Land. Nicht zuletzt deshalb haben wir uns dennoch an diesen Titel gewagt und wagen die Behauptung, dass die Nachfolgerin von Sanne Cant vielleicht auch aus den Kempen kommen wird. Ihr Name? Lentel Huys!

In ihren Adern fließt reines Cyclocross-Blut

Lentel Huys ist die Tochter von Stijn Huys – siehe den vorherigen Artikel in dieser Ausgabe von Cyclelive – und Lieselot Sels, der Schwester von Loes Sels. Mama Lieselot und Tante Loes sind zudem auch die Cousinen von Sanne Cant. Großvater Rudy Sels wurde 2008 in Hofstade sogar belgischer Meister bei den Masters C. Eine belgische Meisterschaft, die damals fast wie ein Familientreffen wirkte, denn neben dem Titel, den Rudy Sels bei den Masters errang, wurde Loes Sels damals belgische Meisterin bei den Frauen der Elite, und auch Sanne Cant – damals 17 Jahre jung – wurde belgische Meisterin bei den Mädchen in der Jugendklasse. Das reine und unverfälschte Cyclocross-Blut fließt also mit voller Kraft durch ihre Adern, und das ist für uns ein weiterer Grund, den Titel dieses Artikels zu unterstreichen. Im Hause Huys wird man Lentel wohl ordentlich auf dem Boden der Tatsachen halten und sie andererseits mit all dem Rat, dem Wissen und der Leidenschaft umgeben, damit sie sich voll und ganz zu einer Spitzenfahrerin entwickeln kann.

Wir haben Lentel und ihrem Vater Stijn daher einige Fragen gestellt, damit wir schon einmal ein kleines bisschen mit einem echten Talent Bekanntschaft machen können, das sich mitten in der Entwicklung befindet.

Lentel, wie viele Siege hast du bei den Neulingen errungen und bei wie vielen Rennen?

Ich habe 2025–2026 20 Siege bei 20 Rennen und 2024–2025 22 Siege bei 22 Rennen errungen.

Stijn, betreibt Lentel bereits ernsthaft Krafttraining oder ist es eher noch ein bisschen Spiel und Spaß?

Eher spielerisch, wir versuchen aber bereits, eine gute Struktur einzuführen, vor allem mit Blick auf die Zukunft. Das Niveau ist bereits jetzt sehr gut, obwohl wir so wenig wie möglich trainieren. Mit Team Kempen klappt das in Bezug auf Struktur und Training sehr gut.

Lentel, wer ist dein Trainer?

Das ist natürlich Papa…

Stijn, wie sehen diese Trainingseinheiten denn aus? Machst du spezielle Einzeltrainings?

Es gibt nicht wirklich individuelles Training. Lentel trainiert jede Woche mit dem Verein mit. Auf der Straße ist das mit den Trainern des Vereins, beim Cyclocross leite ich die Trainingseinheiten selbst. Ich trainiere mehrere Fahrer gemeinsam. Der Fokus liegt bei den Cyclocross-Trainingseinheiten definitiv nicht auf Lentel, sondern verteilt sich auf alle Fahrer des Vereins – es gibt also keineswegs eine Vorzugsbehandlung.

Lentel, hast du schon an internationalen Wettkämpfen teilgenommen? Bist du schon gegen deine niederländischen Gleichaltrigen gefahren und wie ist es gelaufen?

Ja, ich bin zweimal in den Niederlanden gefahren, unter anderem beim Kleeberg-Cross und in Heerde. In der vergangenen Saison bin ich in Valkenswaard, Mol und Meer gegen einige ausländische Mädchen gefahren und habe jedes Mal gewonnen.

Stijn, hätte Lentel nicht schon an der Juniorinnen-WM teilnehmen sollen? Das wäre doch möglich gewesen, wenn der Nationaltrainer sie nominiert hätte?

Nein, das war nicht nötig. Nächstes Jahr ist sie ohnehin Juniorin und kann dann an der WM teilnehmen, wenn sie nominiert wird. Es bleiben noch genügend Jahre, um an der WM teilzunehmen.

Ist Lentel vor allem technisch oder körperlich stark?

Sie ist vor allem technisch stark, und das ist ein Vorteil. Die körperliche Stärke kommt später schon noch.

Lentel, was studierst du? Und lässt sich das gut mit dem Cyclocross vereinbaren?

Ich studiere Sportwissenschaften in Westmalle, und das lässt sich sehr gut mit dem Radsport vereinbaren.

Wie siehst du selbst deine Entwicklung in den kommenden Jahren und die Balance zwischen Studium und Sport?

Ich möchte gerne Weltcup-Rennen fahren und bei den großen Wettkämpfen gute Ergebnisse erzielen. Ich halte mein Studium für sehr wichtig, und die Kombination aus Studium und Radsport wird in den nächsten Jahren im Mittelpunkt stehen.

Wer ist dein Vorbild?

Mein Vorbild war Sanne Cant, aber sie hat aufgehört, und jetzt schaue ich zu Lucinda Brand auf.

Stijn, erzähl doch mal etwas mehr über Lentel…

Lentel ist ein schüchternes Mädchen, das lieber mit den Pedalen spricht als mit Worten. Was ich in dieser Saison selbst ganz besonders fand, war, dass sie – bis auf zwei Rennen – auch gegen alle Damen gewinnen konnte und manchmal sogar einen großen Vorsprung herausfuhr. Für sie wurde es zum Ziel, so schnell wie möglich an die Spitze zu fahren, auch wenn die U17 fünfzehn bis dreißig Sekunden später starten. Ein Plan bzw. ein Ziel, das sie sich selbst ausgedacht hatte, aber sehr schön. In manchen Rennen war dies bereits nach einer Runde der Fall. So gelang es ihr in Gierle und in Meer: Nach einer Runde fuhr sie bereits an der Spitze des gesamten Feldes.

Du rechnest also selbst schon ein bisschen damit, dass sie es wirklich bis an die Spitze schaffen wird?

Ob sie wirklich gut ist, wird sich nächstes Jahr zeigen, wenn sie auf die internationale Konkurrenz trifft. Aber vorerst gehen wir – genau wie sie – alles ganz gelassen an und halten es spielerisch, ohne allzu große Erwartungen. Als Trainer versuche ich, mit richtigen Trainingsplänen so lange wie möglich zu warten, weil es im Moment so leicht von der Hand geht. Ich hoffe und glaube auch ein bisschen, dass noch viel Fortschritt möglich ist, sobald wir mit richtigen Trainingsplänen beginnen. Aber ob das für die absolute Spitze ausreichen wird, kann niemand vorhersagen.

Genießt also einfach jeden Moment und jeden Sieg mit der ganzen Familie. Wir vom Cyclelive Magazine wünschen Lentel eine großartige Karriere und der Familie unzählige unvergessliche Sportmomente!

Text: Patrick Van Gansen
Fotos: Julien De Bock

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